Mit Musik gegen Zensur: Reporter ohne Grenzen hat zum heutigen Tag gegen Internetzensur ein Album mit verbotenen Texten herausgebracht. Für die Aktion „Uncensored Playlist“ wurden in ihren Heimatländern zensierte Texte von fünf Autorinnen und Autoren aus Ägypten, China, Thailand, Usbekistan, Vietnam und Thailand in Popsongs verwandelt. Die Organisation will damit zum einen auf die zunehmende Bedrohung der Meinungsfreiheit im Internet durch staatliche Zensur aufmerksam machen. Zum anderen soll die Aktion aber auch Hoffnung machen und „beweisen, dass die Wahrheit auch wirklich immer einen Weg findet.“
Die Songs sind als „Uncensored Playlist“ auf gängigen Musikstreaming-Plattformen zu finden und sollen auf diesem Weg auch in den Ländern zugänglich sein, in denen die Ursprungstexte verboten waren. Die Namen der Autoren wurden hierfür durch Pseudonyme ersetzt und die Titel der Songs so abgeändert, dass sie an einer etwaigen Vorzensur vorbeikommen, falls die Originale blockiert werden.
Auf der Aktionsseite www.uncensoredplaylist.com gibt es Interviews zu den Autorinnen und Autoren und Hintergründe zur Lage der Medienfreiheit in ihren Ländern in Text- und Videoform. Ein kurzer Film bringt das Anliegen der Aktion auf den Punkt:
The Uncensored Playlist – Der Film from The Uncensored Playlist on Vimeo.
Berichte aus den größten Journalistengefängnissen der Welt
Eine der teilnehmenden Journalistinnen ist Galima Bukharbaev aus Usbekistan. Über sie und die Arbeitsbedingungen von Journalisten in dem zentralasiatischen Staat heißt es auf der Webseite:
Nach dem Tod des Diktators Islom Karimow im August 2016 bleibt die Situation für Journalisten in Usbekistan kritisch. Auch unter dem neuen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev hält das Land Journalisten unter teils beunruhigenden Bedingungen inhaftiert und erhöht seine Bemühungen zur Online-Zensur. Die staatlichen Organe blockieren dabei nicht nur unabhängige Newsseiten, sondern auch soziale Apps wie Messenger-Services.
Auch der inzwischen im deutschen Exil lebende Blogger Bùi Thanh Hiếu aus Vietnam macht bei der Aktion mit. Über ihn und die Lage der Meinungsfreiheit in Vietnam heißt es:
Da die Medien in Vietnam der Kommunistischen Partei unterstellt sind, bilden Blogger und Bürgerjournalisten die einzigen Quellen für unabhängige Informationen. Oft werden sie von Zivilpolizisten verfolgt, sind Gewalt ausgesetzt und werden von langen Haftstrafen bedroht. 2016 wurde gegen den Bürgerjournalisten Nguyễn Hữu Vinh eine fünfjährige Haftstrafe verhängt, weil er eine Nachrichtenwebsite erstellt hatte – die Anh Ba Sam (Side Walk News Agency). In den folgenden Monaten wurden viele weitere Blogger verhaftet. Vietnam ist mittlerweile eines der fünf größten Gefängnisse für Bürgerjournalisten und Blogger.
Unterdessen versuchen einige rechte Trolls aus Deutschland gerade, den zur Kampagne gehörenden Twitter-Hashtag #truthfindsaway zu kapern – schließlich seien sie die wahren Opfer von Interzensur. Also: Lautsprecher aufdrehen und gegenhalten.
